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Deutschland ist reich an regionalen Spezialitäten. Einige werden überregional geliebt, andere sind außerhalb ihrer Herkunftsregion unbekannt. Wanderbares Deutschland hat in Kooperation mit seinem Medienpartner Sehnsucht Deutschland passend zu einigen der schönsten deutschen Wandergebiete – die interessantesten Spezialitäten zusammengestellt. Sie werden erstaunt sein, wie bunt es auf Deutschlands Tellern zugeht!

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Auf Motivsuche mit Dorothea Hoffmann PDF  | Drucken |

 

Dorothea Hoffmann12 Tage nahm sie die Alpenregionen Ammergauer Alpen, Südtirols Süden und Brigels in der Schweiz unter die Füße, lag auf der Lauer nach den schönsten Motiven und schrieb Zeile um Zeile, was sie auf ihrer Reise begeisterte. Dorothea Hoffmann aus Freiburg bewarb sich Anfang des Jahres für die Wanderrallye 2008 - und gewann. Für das Magazin WANDERWELTEN ging die 24-Jährige auf Tour – folgen Sie ihr auf ihrer Reise durch die drei Best of Wandern-Regionen.

 

Blühende Berge

 

Kaum hatte ich den ersten Fuß in die Oberammergauer Bergwelt gesetzt war ich begeistert: Türkenbundlilie, Frauenschuh, Witwenblume, Flockenblume, Trollblume, schwarzes Kohlröschen, geflecktes Knabenkraut… So eine Farbenpracht und Blumenvielfalt – ich konnte mich gar nicht satt sehen. Unsere beiden Wanderkollegen teilten Katrins und meine Begeisterung nur in Maßen. Versuchte man sie ganz entzückt an der Schönheit eines besonders hübschen oder gar seltenen Blümchens teilhaben zu lassen, kam nur ein: „Ah. Nett.“ Immerhin, sie zeigten insofern Verständnis für unsere leidenschaftlichen Entdeckungen, dass sie uns nie zur Eile trieben.

 

Katrin Rosenbaum und Dorothea HoffmannSelbst an dem Tag in Südtirol nicht, als wir das Rittner Horn und die Sarner Scharte erklommen. Nur der Bergführer scheuchte Katrin und mich bereits morgens. Der Wetterbericht hatte ein Gewitter vorhergesagt und der Weg war noch weit. Dabei gab es so viel zu sehen: Nicht nur die Unendlichkeit der umliegenden Bergwelt war phantastisch, sondern auch Silbermänteli, Anemonen und Riesen-Gänseblümchen. Endlich auf dem Gipfel angekommen durften wir in einem Rundblick die wahnsinnig beeindruckende Felslandschaft bewundern, unsere mitgebrachte Brotzeit verschlingen um sofort, einem sehr steilen Pfad durch Geröll folgend, wieder den Weg ins Tal anzutreten. Beeilung! Die Seilbahn, die uns die restliche Wegstrecke zu unserem Bus bringen sollte, fuhr bereits um 18 Uhr. Wir hatten nur noch zwei Stunden Zeit. Außerdem, das Gewitter! Katrin und ich ließen uns nicht beeindrucken. Vor dem stark duftenden Schokoladenblümli musste man einfach einen Kniefall machen und die winzigen Schlüsselblümchen und leuchtenden Alpenrosen waren viel zu hübsch um nicht bewundert und fotografiert zu werden! „Unsere“ Männer blieben bei diesem Gebaren ganz ruhig: Längst hatten sie sich daran gewöhnt und wussten, dass auch wir irgendwann das Ziel erreichen würden. Nur der Bergführer wiederholte,Dorothea Hoffmann dass er zwar die Außerordentlichkeit der Vegetation einsehe, aber dass weder die Seilbahn noch das Gewitter auf uns warteten. Na gut. Endlich schlugen auch Katrin und ich ein rascheres Tempo an. Trotzdem kamen wir als letzte an der Bergstation des Rittner Horn an. Der Bergführer lief uns entgegen: „Die Bahn haben wir leider verpasst. Sie ist doch schon um halb sechs gefahren! Jetzt haben wir noch Zeit für ein Bierchen.“ Also setzten wir uns in die Stube, gossen unser Getränk in uns hinein, denn kaum saßen wir am Tisch, drängte der Bergführer schon wieder: Das Gewitter. In gestrecktem Galopp jagten wir den Berg hinunter. Nun sah ich sie auch, die schwarze Wolke. Wie ein Gespenst saß sie uns im Nacken. Der Bergzipfel hüllte sich langsam in Nebel; schließlich war er unsichtbar. Alpenglöckchen und sämtliche Enzianarten waren vergessen. Jetzt galt es nur noch Schritt zu halten. Schon spürte ich den ersten Tropfen – der auch der letzte blieb. Wir waren dem Gewitter davongelaufen.

 

dorothea hoffmannBesonders ausführlich konnte ich meine Botanikkenntnisse am allerletzten Tag, auf unserer Wanderung ins Val Frisal/ Graubünden, vertiefen. Diesmal mussten die Männer unsere Begeisterung nicht ertragen, denn aufgrund ihrer streikenden Füße und Rücken hatten sie sich frei genommen. Dafür war das Bergführerpersonal umso zahlreicher vertreten: Ein ehemaliger Förster, der ein wandelndes Botaniklexikon war, seine Frau, die ihn in Eifer und Findungswut geradezu übertraf und der eigentliche Bergführer, der die Wanderung als eine für ihn sehr lehrreiche Exkursion betrachtete. Während wir zunächst in dem „Fichten-Urwald“ herum stapften und uns der Förster alles über Verjüngung des Baumbestandes, Fichtenwuchs auf gefallenen Bäumen und Steinen und Landwirtschaft erzählte, kroch seine kleine Frau fast mit der Nase über die Moosstellen. Plötzlich begann sie wie Rumpelstilzchen von einem Bein aufs andere zu hüpfen, boxte mit den Armen in die Luft und rief immer wieder: „Ich hab sie! Ich hab sie! Endlich, da ist sie, schaut nur wie schön, drei Jahre lang habe ich sie gesucht, juhuu, ich hab sie!!!“ Dabei hob sie ihre Nase nicht aus dem Moos, zeigte sogar noch mit ihrem Finger in dieselbe Richtung. Da sahen wir es auch: Ein unscheinbares Blümchen, kaum eine Handbreit hoch, kleine herzförmige Blätter mit fast vertrocknet wirkenden Blütenblättern: Die breitblättrige Stendelwurz, im Wortlaut des Försterehepaars „Epipactis helleborine.“ Dieses seltene Blümchen war die Orchidee des Jahres 2006 und uns wurde die große Ehre zuteil sie zu sehen.

 

dorothea hoffmann

 

Der weitere Weg führte an einem reißenden, sprudelnden und schäumenden Bergbach entlang durch das Tal und auf steinigen Pfaden langsam auf die Hochebene. Man sollte nicht glauben, wie viele Blumen es da zu sehen gab! Ein Ratespiel machte die Botanikkunde für mich besonders spannend: Wie hieß die Pflanze wohl im Hochdeutschen, wenn der Förster sie Lateinisch „poa alpina“ (Rispengras) und „bartsia alpina“ (Alpenhelm) oder Schweizerdeutsch „Brhuunkchlä“ (Braunklee) und „Thüflskchralle“ (Teufelskralle) benannte? Vielleicht sprach er gar Rätoromanisch?! Einen Unterschied hätte ich kaum gemerkt. So konnte ich letztendlich nicht nur meine botanischen Kenntnisse erweitern, sondern ebenfalls meine fremdsprachlichen.


Schweren Herzens verabschiedete ich mich nach dieser schönen, blumenreichen Zeit von den grünen Hohlzungen, Eisenhut und Steinbrech in Richtung Schwarzwälder Heimat und sagte: Wieda luega!


Mehr Infos rund um die Wanderrallye und die Erlebnisse der Teilnehmer erfahren Sie unter www.best-of-wandern.de

 
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