Schon jetzt lässt sich an der Weser bestens Freizeiturlaub machen. Der Weserradweg rangiert regelmäßig unter den Top drei der beliebtesten deutschen Fernradtouren, der ruhig fließende Fluss lockt Paddler aus Nah und Fern an und der Weserberglandweg steht für Kulturwandern allerhöchster Güte.
Kernkriterien und ihre Auswirkung
Seit Einsetzen des neuen Wanderbooms hat sich das Image des Wanderns in Deutschland nachhaltig verändert. Die Festsetzung der Kernkriterien des Deutschen Wanderverbands und seiner Mitstreiter hat im Zuge der Neugestaltung und Neuanlegung von Qualitäts- und Premiumwegen auch das Wanderverhalten geändert. Wurden in den Siebzigern und Achtzigern Wege bewusst auf Forstwegen gelegt, um das Gemeinsamkeitsgefühl zu steigern, Gespräche zwischen den Wanderern zu ermöglichen und schnellstmöglich von A nach B zu kommen, sucht man nun nach naturnahen Pfaden und steuert mit Extratouren und Zusatzschleifen Sehenswürdigkeiten, Gaststätten und besondere Unterkünfte an. Die Folge: Gerade Regionen die schon immer Wanderland waren und deren Wege Klassiker sind, haben an genau dieser Neuorientierung der Wanderer nun zu knabbern.
Der neue Weserberglandweg
Im Fall des Weserberglandwegs können Interessierte nun hautnah miterleben, wie aus einem alten Klassiker ein moderner Qualitätsweg wird. In den kommenden Monaten entsteht auf Initiative des Weserbergland Tourismus e.V. eine neue wanderbare Verbindung, die dann auch den jetzt gültigen hohen Qualitätsansprüchen gerecht wird. Da der weitaus größte Anteil des Wegs in Niedersachsen liegt, wird der Weitwanderweg zwischen Hann. Münden und Porta Westfalica zunächst auf seiner dortigen Länge von rund 120 Kilometern genau unter die Lupe genommen. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen die Teilabschnitte in Hessen und Nordrhein-Westfalen folgen. Unter Federführung des Ingenieur- und Planungsbüros Umwelt Institut Höxter (UIH) wurden durch die ARGE Weserbergland Wandern Pläne ausgearbeitet, wie der Weg sich verändern muss, um die Kern- und Wahlkriterien des Wanderverbandes zu erfüllen. Was noch alles notwendig ist, hat Bernd Schackers, Dipl. Ing. für Landespflege und Landschaftsarchitekt des UIH im Interview mit der Redaktion verraten.
<Redaktion> Herr Schackers, woran scheitert die Zertifizierung des Weserberglandwegs im aktuellen Stand der Wegführung?
Gravierend ist bis dato der Verlauf des Weserberglandwegs auf oftmals langgezogenen, geschotterten und breiten Forstwegen durch die Waldgebiete des Sollings, Süntels und Wesergebirges. Zudem müssen Stadtdurchquerungen in Bodenwerder, Hameln und anderen Ortslagen bewältigt werden. Die bisherigen Stadtstrecken versprechen zwar Kultur auf hohem Niveau, werden aber mit langen Asphaltstrecken von mehr als 3 Kilometer Länge erkauft. Außerdem kann das Erlebnispotenzial entlang des Weges noch deutlich verbessert werden. Das Weserbergland hat neben den zusammenhängenden Waldgebieten eben auch eine wunderschöne, abwechslungsreiche und offene Kulturlandschaft zu bieten, die den Wanderern auf dem Weserberglandweg präsentiert werden soll.
<Redaktion>... und, lässt sich das umsetzen?
Um die Wahl- und Kernkriterien zu erfüllen, müssen wir am ganzen Weg deutlich nachbessern und auch Wegeabschnitte verlegen, z.B. um lange Asphaltstrecken in bebauten Bereichen zu umgehen. So wird sich im ersten Zug der Umgestaltung der Wegverlauf erheblich verändern müssen. Das ist in solch sensiblen Naturräumen jedoch nicht so einfach und muss unter anderem mit Naturschutz, Forst und dem betreuenden Wanderverein Porta Westfalica – Mittelweser abgestimmt werden. In der Summe sind aber die Kernkriterien durchweg erfüllbar, die Wahlkriterien bis dato zu einem großen Teil. Im Hinblick auf die Erfüllung der Wahlkriterien für alle Teilabschnitte liegt noch viel Arbeit vor uns. So müssen vor einer Zertifizierung durch den Deutschen Wanderverband beispielsweise noch zahlreiche Wegweisungen und Wegemarkierungen erfolgen. Wir wollen hierbei auch auf die kulturellen und naturkundlichen Sehenswürdigkeiten am Wegesrand aufmerksam machen.
<Redaktion>... und wann dürfen wir den neuen Weserberglandweg voraussichtlich unter die Füße nehmen?
Voraussichtlich werden wir in diesem Jahr die Planungen für die Teilstücke zwischen Hann. Münden und Bad Karlshafen sowie zwischen Rinteln und Porta Westfalica aufnehmen können. Dass die Wanderer dann auf einem einheitlich und eindeutig markierten Weserberglandweg zwischen Hann. Münden und Porta Westfalica Kultur und Landschaft im Weserbergland in vollen Zügen genießen können, werden wir wohl erst im Jahr 2009/2010 erleben.
TIPP DER REDAKTION
Wer einmal den Entstehungsprozess eines „Qualitätswegs Wanderbares Deutschland“ miterleben möchte, begibt sich schnellstmöglich auf den derzeit existierenden Weserberglandweg, um dann in zwei oder drei Jahren erneut an die Weser zu kommen, um zwischen Hann. Münden, Hameln und Porta Westfalica selbst in Augenschein zu nehmen, was sich alles
Ausgangspunkt Hann. Münden Ziel Porta-Westfalica Distanz 210 km (aktuell) / 230 km (zukünftig)
MARKIERUNG
Weißes „XW“ auf schwarzem Grund
KARTE / LITERATUR
Wanderführer Weserberglandweg mit Kartenausschnitten und Wegbeschreibung Hrsg. Weserbergland Tourismus e.V.
URLAUBSANGEBOTE
Siehe Magazin Wanderbares Deutschland Seiten 191 bis 194
AN / ABREISE Anreise
ÖPNV Regionalzug von Kassel-Wilhelmshöhe (ICE) oder Göttingen (ICE) nach Hann Münden. PKW A7 von Kassel oder Göttingen nach Hann Münden.
Abreise
ÖPNV Mit Regionalzug nach Bielefeld (ICE) und Minden (ICE) / Hannover (ICE). Nach Minden auch mit der Weserschifffahrt. PKW A2 Richtung Hannover oder Ruhrgebiet, A30 Richtung Osnabrück, B83 und B80 Richtung Hann. Münden.
INFORMATION
Weserbergland Tourismus e.V.
Postfach 100339
D-31753 Hameln
Telefon +49 (0)5151 93000 www.weserbergland-tourismus.de