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Köstliches Deutschland
Deutschland ist reich an regionalen Spezialitäten. Einige werden überregional geliebt, andere sind außerhalb ihrer Herkunftsregion unbekannt. Wanderbares Deutschland hat in Kooperation mit seinem Medienpartner Sehnsucht Deutschland passend zu einigen der schönsten deutschen Wandergebiete – die interessantesten Spezialitäten zusammengestellt. Sie werden erstaunt sein, wie bunt es auf Deutschlands Tellern zugeht! (Der Artikel stammt von Marianne Vogl)
Sehnsucht Deutschland, das 32-seitige Zeitungsjournal vom Reisen, Leben und Entdecken gibt es im Handel oder auf Bestellung über www.sehnsuchtdeutschland.com, Telefon +49 (0)40 703835-30.
Spezialitäten aus Bayern
Auch wenn die Globalisierung längst angekommen ist: In Bayern wird noch immer gern bayerisch gekocht und gegessen.
Kronfleisch, das Zwerchfellfleisch vom Rind, das sich beim Kochen wie eine Krone kräuselt, ist in der Wanderregion Oberbayern besonders beliebt. Ob als Schmankerl, als Vorspeise oder als Hauptgericht – für Kronfleisch ist ab 11.00 Uhr vormittags immer Zeit: Das zarte Fleisch dampft auf dem Holzteller, der frisch geriebene Kren (Meerrettich) beißt ein bisschen in der Nase, die Brez’n sind knackig und das frisch gezapfte Helle schäumt im Glas.
Für die Wanderregion Franken steht das berühmte Fränkische Schäufele – Schweineschulter, die komplett mit Knochen und Fettschwarte zubereitet wird. Das Fleisch ist knusprig braun, die Schwarte wirft kleine Bläschen und ist schön kross. Das Fränkische Schäufele – der Name kommt übrigens daher, dass der überbleibende Knochen die Form einer kleinen Schaufel hat – ist ein klassischer Sonntagsbraten zu dem Kartoffelklöße am besten schmecken. Den Durst löscht ein fränkisches Bier und zur besseren Verdauung ist ein fränkischer Obstbrand perfekt geeignet.
Für das süße Bayern steht die Lindauer Butschelle. Das runde Butter-Hefegebäck mit Rosinen aus Lindau am Bodensee wird im Hochsommer zum traditionellen Kinderfest an die Schulkinder verteilt. Gefeiert wird damit seit 325 Jahren der 1555 zwischen Lutheranern und Katholiken geschlossene Augsburger Religionsfrieden. Der Name „Butschelle“ stammt angeblich vom lateinischen „bucca“ – zu deutsch „Backe“ – ab.

Fränkisches Schäufele
Spezialitäten aus Baden-Württemberg
Die Wanderregion Schwarzwald wird kulinarisch durch einen Superstar repräsentiert:
Die Schwarzwälder Kirschtorte ist die bekannteste und beliebteste Torte Deutschlands und gilt weltweit als Aushängeschild deutscher Konditoreikunst. Angeblich hat sie ihren Ursprung bei den Bauern im Südschwarzwald: Diese kochten Süß- und Sauerkirschen auf, ließen sie abkühlen und servierten sie mit Rahm. Einige Historiker vermuten auch, dass sich der Name der Torte an die bekannte Schwarzwälder Frauentracht anlehnt: Demnach stehen die schwarzen Schokostreusel für das Kleid, die Sahne für die weiße Bluse und die Kirschen für die roten Kugeln des Bollenhuts.
Weit weniger bekannt sind hingegen die Bodensee-Felchen aus der Wanderregion im weiten Umkreis des Bodensees. Auch in der Schwäbischen Alb wird das Gericht gerne serviert. Das Felchen ist ein Süßwasserfisch mit festem weißem Fleisch und wenig Gräten. Es kann geräuchert, gedünstet, gebraten und gegrillt werden.
Auch als Filet wird es oft verwendet. Als Beilagen eignen sich Kartoffeln, ein knackiger Salat, frischgebackenes Brot und natürlich ein guter Weißwein.

Schwarzwälder Kirschtorte
Spezialitäten aus Rheinland-Pfalz
Die Küche in Rheinland-Pfalz wird durch die milden Temperaturen an Rhein und Mosel bestimmt. Die wichtigsten kulinarischen Exportartikel sind der Moselwein oder die Süßwein-Spezialität Rheingauer Eiswein.
Eins der berühmtesten Gerichte ist der Pfälzer Saumagen. Auch wenn mancher aufgrund des Namens Berührungsängste haben mag: Probieren lohnt sich! Gefüllt wird der Magen mit einer Mischung aus Schweinefleisch, Bratwurstbrät und Kartoffeln. Dazu kommen oftmals Eier und Karotten sowie zahlreiche Gewürze. Der gefüllte Saumagen muss in heißem Wasser ziehen; serviert wird er in Scheiben geschnitten, die häufig noch in der Pfanne angebraten werden. Typische Beilagen sind Kartoffelpüree und Sauerkraut. In den 1980er und 1990er Jahren erlangte der Saumagen bundesweite Bekanntheit durch den damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl, der in seiner pfälzischen Heimat Staatsgäste wie Margaret Thatcher, Michail Gorbatschow und François Mitterrand mit diesem Gericht bewirten ließ.
Schwenkbraten ist typisch für die Wanderregion Hunsrück. Die marinierten und über Buchenholz gegrillten Nackenkoteletts – ein bis drei Zentimeter dick, einfach bis doppelt handtellergroß und typischerweise vom Schwein – werden auf dem „Schwenker“ zubereitet – einem dreibeinigen Grill, bei dem der dreh- und schwenkbare Grillrost an einer Kette über dem Feuer hängt. Für den besonderen Geschmack sorgt ein Schuss Bier, mit dem der Schwenkbraten „gelöscht“ wird.

Schwenkbraten
Spezialitäten aus Hessen
Kulinarischer Höhepunkt Hessens und insbesondere auch der Wanderregion Odenwald ist der Apfelwein, auch Ebbelwoi genannt. Er wird aus einer Mischung möglichst säurehaltiger alter Apfelsorten gekeltert und vergoren und traditionell im „Gerippten“, einem Glas mit Rautenschnitt, serviert. In Gesellschaft bestellt man Apfelwein auch im Bembel, einem blau-grau glasierten Krug aus Ton, der den Apfelwein gerade im Sommer schön kühl hält. Erhitzt und mit Zimtstange, Gewürznelken, Zitronenscheibe und Zucker versehen hat sich das Stöffsche auch gegen Erkältungen bewährt.
Außerhalb Nordhessens kaum bekannt ist Weckewerk. Die Wurstspezialität diente einst der Resteverwertung: Schwarten, Gehacktes und gekochte Fleischstücke werden durch den Fleischwolf gedreht, die Masse wird mit altbackenen Brötchen gestreckt, die dieser Spezialität ihren Namen geben: „Wecke“ ist die traditionelle Bezeichnung für Brötchen in Nordhessen. Gewürzt wird mit Zwiebeln, Salz, Pfeffer, regional auch mit Kümmel. Für die längere Aufbewahrung wird die Mischung in Gläser konserviert oder im Kunstdarm gekocht. Auf den Tisch kommt Weckewerk frisch aus der Pfanne begleitet von Pellkartoffeln, eingelegten Gurken oder Roter Bete.
Ebenfalls ein kulinarischer Geheimtipp sind angebratene Beulchen aus dem Vogelsberg – ursprünglich ein Arme-Leute-Essen. Grundlage sind rohe geriebene Kartoffeln, die mit in Salzlauge gepökeltem „Solperfleisch“, das seinen Namen von dem für die Lauge verwendeten Salpetersalz hat, veredelt werden. Kartoffeln, Fleisch, Zwiebel und Lauch werden vermengt, in kleine Leinensäckchen gefüllt und gekocht. Die aus den Beuteln gelösten Beulchen werden entweder mit Zwiebelsoße genossen oder kurz aufgebraten.

Angebratene Beulchen
Spezialitäten aus Sachsen
Auch die Küche Sachsens hat viel zu bieten:
Dresdner Christstollen, 1774 erstmalig erwähnt, wird mittlerweile in ganz Deutschland heiß geliebt. Das mittelalterliche Fastengebäck bestand allerdings lediglich aus Mehl, Hefe und Wasser; die katholischen Dogmen erlaubten weder Butter noch Milch. Deshalb baten Kurfürst Ernst von Sachsen und sein Bruder Albrecht im Jahr 1491 Papst Innozenz VIII, das Butter-Verbot aufzuheben. Der Heilige Vater ließ sich erweichen und schickte ein als „Butterbrief‘ bekanntes Schreiben, das gehaltvollere Zutaten erlaubte und der reichhaltigen Spezialität – so wie wir sie heute kennen – den Weg ebnete.
Die im Vogtland beliebten Schwammespalken sind außerhalb der Region kaum bekannt. Der Pilzeintopf mit Kartoffelstücken, den „Spalken“, dem noch Speckwürfel und ein Schuss Essig beigegeben werden, schmeckt am besten mit selbst gesammelten Pilzen.
Die Krönung der sächsischen Küche und Abschluss des kulinarischen Jahres ist das Neinerlaa (hochdeutsch Neunerlei). Das traditionelle Weihnachtsmenü besteht aus neun Spezialitäten, denen jeweils eine bestimmte Symbolik zugeordnet wird.
So stehen Linsen beispielsweise für ausreichend kleines Geld, Kompott für die Fähigkeit, sich des Lebens zu erfreuen und Bratwurst für den Erhalt von Herzlichkeit und Kraft. Das Neinerlaa-Essen – traditionell an Heiligabend eingenommen – wird durch zahlreiche weitere Bräuche begleitet. Der schönste davon ist das Auflegen eines zusätzlichen Gedecks: So kann jederzeit ein Gast kommen und mitessen.

Dresdner Stollen
Spezialitäten aus Thüringen
Aus Thüringen stammt ein kulinarischer Evergreen:
Die Thüringer Rostbratwurst ist gemäß EU-Verordnung eine 15 bis 20 Zentimeter lange, mittelfeine Rostbratwurst im engen Naturdarm mit herzhaft würziger Geschmacksnote. In Frage kommen dabei ausschließlich rohe Thüringer Rostbratwürste, die auf einem Holzkohlenrost geröstet werden. Traditionell wird die Wurst im aufgeschnittenen Brötchen mit original Thüringer Senf serviert. Gutes kann so einfach sein!
TIPP: Wanderweg vom Bier zur Bratwurst, www.bratwurstmuseum.net
Thueringer Rostbratwurst
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