Die Jakobswege
Pilgerrouten aus ganz Europa
Es ist sicher keine Übertreibung, den Jakobsweg als berühmtesten aller Wanderund Pilgerwege zu bezeichnen – nur welchen der vielen? Aus allen Teilen Europas pilgern seit Jahrhunderten Gläubige auf uralten Routen nach Santiago de Compostela. Je weiter man sich dabei vom Apostelgrab entfernt, desto mehr verästeln sich die einzelnen Routen zu einem wahren Geflecht aus Jakobswegen. Fast allen gemeinsam ist ihr Treffpunkt in Puente la Reina, wo sich das zu nur mehr zwei Hauptpilgerrouten gebündelte Netz nach Überwindung der Pyrenäenpässe von Somport und Roncesvalles zu einer einzigen viel begangenen Route vereinigt – dem Camino Francés. Der „Französische Weg“ hat nach der Vertreibung der Mauren den älteren und beschwerlicheren Weg entlang der Küste abgelöst und sammelt fortan die über Paris und Bordeaux, aus dem burgundischen Vézelay, von Prag über Konstanz und Le Puy in der Auvergne und von Genua über Arles und Toulouse verlaufenden Wege.
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Jakobswege in Deutschland, Österreich und der Schweiz
Noch vor 20 Jahren waren es gerade einmal rund 2.500 Pilger, die in Santiago de Compostela als „echte Pilger“ registriert wurden. Das waren die, die mindestens 100 Kilometer zu Fuß oder 200 Kilometer per Fahrrad auf den traditionellen Wegen zurückgelegt hatten. Im Jahr 2005 betrug die Zahl fast 100.000. Woran es liegt, dass man zumindest einen Teil der beschwerlichen, aber auch befreienden Reise unter die Füße nimmt, das muss jeder für sich selbst herausfinden – ob „nur“ der Weg das Ziel ist, oder die Suche nach kulturellen, historischen oder religiösen Erfahrungen die treibende Kraft ist.
Information: www.deutsche-jakobus-gesellschaft.de
  
JAKOBSPILGER IM RHEINLAND
Wuppertal – Köln – Trier – Luxemburg, 280 km
Quer durchs Bergische Land und die Eifel führt eine der Hauptrouten der Rheinischen Jakobswege zum Altenberger und Kölner Dom. Vorbei an erloschenen Vulkanen und unergründlichen Maaren zogen die Pilger zur einstigen römischen Kaiserstadt Trier und ins Herzogtum Luxemburg, um in Paris Anschluss an die großen französischen Routen zu erlangen.
JAKOBSWEGE IN DER PFALZ UND AN DER SAAR
Speyer – Hornbach – Saarbrücken – Metz / Trier – Metz
Von Speyer kommend führen zwei Routen durch den Pfälzer Wald zum Kloster Hornbach und weiter über Saarbrücken oder das südlichere Sarguemines in Richtung Frankreich. Ab Forbach verlaufen die Routen dann gemeinsam zur großartigen Kathedrale von Metz. Dorthin kommen auch all jene, die von der römischen Kaiserstadt Trier der Mosel flussaufwärts folgen.
JAKOBSWEGE IN OSTDEUTSCHLAND
Görlitz – Leipzig – Erfurt – Eisenach – Fulda, 500 km
Durch Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen führt ein Jakobsweg auf der historischen Via Regia von Görlitz über Bautzen, Leipzig, Merseburg, Naumburg (Saale), Erfurt, Gotha und die Wartburgstadt Eisenach bis in die hessische Domstadt Fulda. Von dort bestand über Frankfurt ein Anschluss an die Pfälzer Jakobswege und nach Metz, sowie an die Route über Trier und Luxemburg nach Paris.
DER FRÄNKISCH-SCHWÄBISCHE WEG
Tillyschanz – Nürnberg – Ulm – Konstanz, 575 km
Von der deutsch-tschechischen Grenze an der Tillyschanz bei Furth im Wald wurde ein quer durch Franken und Schwaben verlaufender historischer Weg der Jakobspilger über Nürnberg, Ulm und Bad Waldsee bis nach Konstanz am Bodensee belegt und durchgehend markiert. Er findet seine Fortsetzung im Schwabenweg.
DER MÜNCHNER JAKOBSWEG
München – Steingaden – Kempten – Lindau/Bregenz, 270 km
Der Münchner Jakobsweg beginnt am Jakobskloster, führt über den Marienplatz zur Isar und flussaufwärts bis zum Kloster Schäftlarn. Von hier folgt er dem alten Klosterweg über Andechs, Wessobrunn und vorbei an der Wieskirche nach Steingaden. Dann nutzt er den Römerweg um über Kempten Lindau oder Bregenz anzulaufen.
DER TIROLER JAKOBSWEG
Kufstein – Innsbruck – Landeck – Arlberg – Feldkirch, 240 km
Um Anschluss an die wichtige Pilgerroute von Konstanz nach Le Puy zu bekommen, mussten die Pilger aus Osteuropa und Österreich die Alpen von Ost nach West durchqueren. Was konnte sich da besser anbieten als das Inntal, wo mit dem Innsbrucker Dom zu St. Jakob auch gleich noch eines der wichtigsten Pilgerziele der Jakobspilger am Weg lag.
DER SCHWABENWEG – VOM BODENSEE ZUM GENFERSEE
Konstanz – Einsiedeln – Luzern – Lausanne – Genf, 400 km
Beginnend in der historischen Konzilstadt Konstanz an den Ufern des Bodensees setzten die aus Süddeutschland kommenden Jakobspilger ihren langen Weg durch die Schweiz fort. Über Rapperswil ging es zum prächtigen Kloster Einsiedeln und zum Vierwaldstättersee. Entweder über Luzern und das Entlebuch oder über den damals wilden Brünnigpass zog man weiter in Richtung Genfer See.
Jakobswege in Frankreich und Spanien
Wer an Jakobswege denkt, denkt in erster Linie an die großen Pilgerrouten in Frankreich und Spanien, die sich mit Ausnahme der Küstenroute durch Aquitanien nach Überquerung der Pyrenäen in Navarra treffen, um als Hauptpilgerroute auf dem Camino Francés durch den Norden Spaniens bis nach Galizien zu verlaufen.
   
VIA GEBENNENSIS UND VIA PADIENSIS
Genf - Le-Puy-en-Velay – Cahors – Saint-Jean-Pied-de-Port, 1.085 km
Einen Teil der Via Padiensis wurde bereits ab der Seite 84. in diesem Heft beschrieben. Wie auch der Abschnitt des Wegs im Departement Midi-Pyrenées zeigt sich der ganze Weg zwischen Genf und Saint-Jean-Pied-de-Port als ein Weg großer Kunst und nicht minder großer Landschaften. Als GR 65 führt die Via Gebennensis die Pilger vom Genfer See bis Le Puy und von dort als Via Padiensis bis zur spanischen Grenze.
VIA LEMOVICENSIS – DURCHS LIMOUSIN
Vézelay – Périgueux – Saint-Jean-Pied-de-Port, 890 km
Wer von Köln oder dem Rheinland kommend unterwegs ist, wird die Via Lemovicensis, über die die Basilika von Vézelay mit den Reliquien der Maria Magdalena erreicht wird, wählen. Sie ist der direkteste der französischen Wege und führt über die Kathedrale von Périgueux und das geheimnisvolle und heute als Weindorf bekannte Saint Emilion in den Süden, um sich in Saint-Jean-Pied-de-Port mit den Routen aus Paris und Italien zu treffen.
CAMINO DEL NORTE – DER KÜSTENWEG
Irun – San Sebastian – Bilbao – Santander – Santiago, 875 km
Als die Nachricht von der Entdeckung des Apostelgrabes von Jakobus im Jahr 813 n. Chr. sich aus dem damals noch asturischen Königreich im Nordwesten Spaniens in Windeseile im ganzen Land und auch ins restliche Europa verbreitete, ließen die ersten Pilger nicht lange auf sich warten. Da die direkte Route durch Kastilien bis ins 12. Jahrhundert von den Mauren versperrt war, blieb nur die unwegsame Strecke entlang der nordspanischen Küste.
CAMINO FRANCÉS – DIE KLASSISCHE ROUTE
Pamplona – Burgos – León – Astorga - Santiago
Jakobspilger, Wanderer und Kunstbegeisterte bekommen leuchtende Augen, wenn sie von den fantastischen Kathedralen von Burgos und León erzählen. Freunde herber Landschaften geraten ins Schwärmen, wenn die kastilischen Hochebenen angesprochen werden. Der Camino Francés verlangt einiges und gibt viel. Im Sommer läuft man durch eine von Hitze ausgedörrte, im Winter bitterkalten Stürmen ausgesetzte Landschaft, ehe endlich die grünen Hügel von Galizien und schließlich Santiago de Compostela erreicht sind. Ab der spanischen Grenze ist der Jakobsweg, der schon 1139 als Codex Calistinus beschrieben wurde, heute als spanischer Fernwanderweg GR-65 markiert.
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